[Review] DRAGONLAND - Under The Grey Banner
DRAGONLAND - Under The Grey Banner
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DRAGONLAND – Eine inzwischen weit über die Grenzen ihres Heimatlandes Schweden hinaus bekannte Band, die vor allem mit ihrem letzten Album „Astronomy“ 2006 enorm viele positive Stimmen einfuhr, die der Band vor allem für die ausgeklügelten progressiven und sinfonischen Elemente gratulierten. Dennoch trat die Band mit diesem zwar unzweifelhaft virtuosen Album vielen alten Fans auf den Schlips, da diese den typischen Melodic-Power-Metal-Sound DRAGONLANDs erwarteten. 2010/11 kündeten die Schweden um Mastermind Olle Mörck (Nightrage, Amaranthe) ein neues Album an, das die Wurzeln der Band aufgreifen solle. Heute liegt es endlich vor uns. Das Werk nennt sich „Under The Grey Banner“, besticht auf den ersten Blick mit einem starken Fantasy-Cover und dürfte die Fans des alten Materials vor allem durch den Namenszusatz „The Dragonland Chronicles Part III“ in Verzückung bringen – eine Fortsetzung des grandiosen Power-Metal-Albums „Holy War“, das 2002 erschien und das vorerst letzte reine Melo/Power-Metal-Werk der Band war.
Bereits das Intro setzt einen eindeutigen Gegensatz zu den beiden vorherigen Alben „Astronomy“ und „Starfall“. Dieses erinnert nämlich stark an typische Fantasy-Intros wie sie z.B. auch Rhapsody of Fire gerne auf früheren Alben verwandt haben. Und auch der erste reguläre Track, „Shadow Of The Mithril Mountains“ stellt nicht nur im Titel eine Referenz an „Holy War“ dar („Majesty of The Mithril Mountains, 2002), sondern gibt auch musikalisch einen der stärksten Symphonic-Power-Metal-Tracks der letzten Jahre ab. Großartig orchestrierte Strukturen und Melodien werden von einem träumerisch-eingängigen Refrain ergänzt, Sänger Jonas Heidgert macht wie immer einen eindrucksvollen Job und erinnert in seinem Stil eher an frühe Werke der Band als an das aggressive letzte Album. Mit diesem ersten Track ist eines klar: DRAGONLAND sind mit einem Knall zurück in der Symphonic-Power-Metal-Szene.
Doch könnten wir uns DRAGONLAND inzwischen ohne die virtuose Progressivität der letzten Alben vorstellen? Natürlich können wir das. Trotzdem ist es mit etwas mehr Abwechslung schöner, und das haben auch die Schweden verstanden. Somit ist „Under The Grey Banner“ weder ein durchgängiges Power-Metal-Album noch ein vertracktes Prog-Metal-Album, sondern eine Mischung aus beidem. Da die Jungs aber, wie bereits oft bewiesen, absolute Kompositions-Genies sind, trifft hier eben nicht die Aussage „weder Fisch noch Fleisch“ zu, zumindest nicht in der negativen Konnotation. DRAGONLAND erzeugen hier nämlich ein Album, das zum einen sehr abwechslungsreich aber zum anderen ebenso sehr homogen ist. Die Band vermischt beide Aspekte, Power und Prog, zu einer beisspiellosen Kombination, die ihresgleichen sucht. Programmatisch hierfür sind unter anderem das auf einer kurzen Spielzeit enorm komplexe und mit wechselnden Gefühlslagen ausgestattete „Fire And Brimstone“ und natürlich der achtminütige Titeltrack. Zu Beginn desselben agiert die Band noch recht verhalten, bis das Stück mit mächtiger Orchestrierung nach einem kurzen ruhigen Part, der lyrisch ganz offensichtlich an „Holy War“ anschließt, in die Vollen steigt: Hier gibt es auch einen technisch mehr als versierten Growling-Part, wie es teilweise auch schon auf „Astronomy“ enthalten war, als Gegenpart zu den Clean-Vocals.
DRAGONLAND beweisen während des Albums immer und immer wieder, dass sie Meister der Abwechslung und der Arrangements sind. Im Gegensatz zu Frühwerken der Schweden wird die mächtige Orchestrierung gezielt eingesetzt und nicht überstrapaziert, was sowohl für den Hörer ein Genuss als auch den Songs nur zuträglich ist. Dem ausgeglichenen Ausdruck der Musik schließt sich auch der visuelle Aspekt an: Albumcover sowie die prächtigen Artworks sind nicht, wie z.B. bei Rhapsody of Fire bzw. den berüchtigten Artworks von Felipe Machado Franco, per Computer erstellt, sondern virtuos in Handarbeit gezeichnet. Diese ausladenden Landschaften gesellen sich auf einzigartige Weise zur Musik des neuen Albums und bilden eine perfekte Einheit. In dieser Hinsicht lässt sich nur eines sagen: DRAGONLAND haben alles richtig gemacht.
Ich als Fan des alten Materials, aber auch Anhänger der progressiven Phase der Band, resümiere: DRAGONLAND haben sich nochmals weiterentwickelt und ihren Stil perfektioniert. Starteten sie als allzu typisch-generische Melo/Power-Metal-Band durch, vollzogen sie eine 180-Grad-Wende zum vertrackten Prog Metal, finden sie nun ihren eigenen Stil, der eine Brücke zwischen diesen beiden Extremen baut. Der neue Sound von DRAGONLAND klingt erwachsener, zur gleichen Zeit jedoch so spielfreudig und frisch wie eine finnische Power-Metal-Platte. Die Schweden scheinen ihren Stil gefunden zu haben, wenn man sich ihre bisherige Karriere ins Auge fasst und legen mit „Under The Grey Banner“ ihr bisher stärkstes Album ab. Aber wer weiß, was noch kommt?
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